Thaleia

Kleine Katze - Große Reise

Leseprobe

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Das kleine Katzenmädchen duckte sich im Schatten einer Straßenecke und wartete. Sie hielt Ausschau, ob Gefahr drohte. Der Geruch von Essensresten lag in der Luft. Ihr Magen knurrte schmerzhaft. Es war zu lange her, seit sie etwas zu essen gefunden hatte. Obwohl sie große Angst verspürte, setzte sie vorsichtig eine Pfote vor die andere, pirschte sich scheu an eine Mülltonne heran. Doch das laute, bedrohliche Bellen eines großen Hundes vertrieb sie wieder. Zitternd kauerte sie unter einem parkenden Auto. Ihr schwarzweißes Fell war schmutzig und zerzaust.

Mitten im Sommer war das Kätzchen auf den Straßen von Galați in Rumänien zur Welt gekommen. Ihre Mama war losgezogen, um nach etwas zu essen zu suchen – vielleicht eine Maus zu fangen, oder Futter, das die Menschen weggeworfen hatten, aus einer Mülltonne zu fischen. Doch kehrte sie nicht zu ihren Kitten zurück. Nach und nach sah sie ihre Geschwister immer schwächer werden. Keine Kraft mehr, um das Köpfchen zu heben, und ohne Grund zu kämpfen, verloren sie ihr Leben, bevor es überhaupt begonnen hatte.
Hungrig, ängstlich und allein suchte das kleine Kätzchen Schutz in einer schmalen Gasse und einen Ort, an dem sie vielleicht ein wenig Schlaf finden konnte. Mit schnellen Schritten huschte sie geduckt hinter Mülltonnen und parkenden Autos entlang, in der Hoffnung, nicht gesehen zu werden. Doch ein Mann kreuzte ihren Weg und entdeckte sie. Wild mit den Händen fuchtelnd und laut rufend, versuchte er, sie zu verscheuchen – was ihm auch gelang. Die Ohren angelegt und mit pochendem Herzen, rannte sie, so schnell ihre kleinen Pfötchen sie trugen.
So viele Menschen schauten weg, gingen an ihr vorbei, während sie ums Überleben kämpfte. Das noch so junge Kätzchen wusste nicht wohin, hatte keinen Namen, kein Zuhause, niemanden, der sie liebte. Und dann begann eine lange Reise …

Erst wenige Wochen alt und geprägt von all dem Leid auf den Straßen, machte das kleine Kätzchen eine ganz neue Erfahrung: Sie wurde eingefangen. Zwei große Hände näherten sich ihr. Mit angelegten Ohren, versuchte sie sich fauchend in eine Ecke zurückzuziehen, jeder Fluchtweg war ihr abgeschnitten. Sie knurrte und plusterte ihr Fell auf, um bedrohlich zu wirken. Die Hände aber wichen nicht zurück. Sie zeigten keine Angst. Stattdessen griffen sie nach dem Katzenmädchen und hoben sie auf den Arm, pressten sie schützend an einen warmen Körper und brachten sie in ein großes Gebäude. Eine ihr völlig fremde Frau setzte sie in eine Box aus Gitterstäben. Noch immer fauchend und am ganzen Körper zitternd, kauerte sich das Kätzchen in eine Ecke. Die Frau sprach sanft zu ihr und stellte einen Napf in die Box. Ein Geruch, so köstlich, wie das kleine Kätzchen ihn nie zuvor gerochen hatte, stieg ihr in die kleine Nase. Sie schnupperte und näherte sich dem Napf zögerlich. Misstrauisch beobachtete sie, ob die Frau etwas im Schilde führte, und fauchte noch einmal, um klarzumachen, wie gefährlich sie werden konnte. Aber auch, wie viel Angst sie hatte.

Copyright © 2026 Akela Fisher

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Lektorat:

„Die Flinke Feder“